Augen – Eröffnung

  • Vielleicht kennen Sie auch solche Erfahrungen: Ein Einheimischer öffnet mir die Augen für die Anzeichen eines Wettersturzes in der Natur, die ich vorher nicht wahrnehmen konnte. Jemand erzählt, dass erst ein Freund ihn die Augen öffnete für die Liebe einer Frau, die er vorher nur als gute Freundin gesehen hatte. Ähnlich auch die Erfahrung der Jünger heute im Evangelium (Lk 24,35-48), wo es wörtlich heißt: „Jesus öffnete ihnen die Augen“.
  • Im Originaltext steht hier nicht einfach nur „öffnen“, sondern sicher nicht ohne guten Grund die seltene Wortform „dianoigo“. Ganz streng übersetzt würde das bedeuten: Jesus „eröffnete“ ihnen die Augen. Bei Eröffnung denken wir z.B. an einen Laden, ein Geschäft, eine Gaststätte usw. – Wenn der Besitzer gewechselt hat oder gründlich renoviert wurde, dann wird anschließend neu eröffnet. Oder denken wir daran, dass z.B. jemanden eine einmalige berufliche Chance eröffnet wird. Jedenfalls beginnt mit einer Eröffnung etwas Neues, das sich erst entwickeln und durchsetzen muss.
  • Jesus eröffnet seinen Freunden eine ganz neue Lebensweise, eine österliche Wirklichkeitssicht, eine einmalige Lebenschance: Er lebt, ist auf neue Weise bei ihnen und mit der seiner Kraft ausgestattet können sie Jesu Werk weltweit weiterführen. Mit dieser Eröffnung passiert etwas Neues, das sich bis heute fortsetzt – Ostern als Augen-Eröffnung passiert immer wieder. Zum Nach/Weiterdenken: Denken Sie an eine überraschende Glaubenserfahrung, die Ihnen die Augen geöffnet hat?

Ihr seid Zeugen dafür

  • Wir merken heute, wie vielen Menschen sich der „Neue Weg/ Sicht“ eröffnet hat, dass über 2 Mrd. Menschen die Verkündigung der Auferstehung erreicht hat – und wir merken, wie wenig bei uns zumindest diese Chance angenommen wird.
  • Woran liegt das? Ich glaube in erster Linie am Mangel an glaubwürdigen Zeugen. Ein Zeuge ist jemand, der etwas gesehen hat, was andere nicht wahrgenommen haben und der deshalb eine wichtige Aufgabe hat. Wir kennen das z.B. durch Zeugenaussagen vor Gericht, die zur Klärung einer Angelegenheit beitragen, etwa Aussagen zu einem Unfallgeschehen. Ein Zeuge muss auch bereit sein, mit seinem Namen zu seinen wichtigen Angaben zu stehen, denn es geht um die Wahrheitsfindung und um die Gerechtigkeit.
  • Wir reden aber auch noch in anderem Zusammenhang vom Zeugen: Nämlich dann, wenn Eltern ein Kind zeugen, also Nachkommenschaft ermöglichen. Im geistlichen Bereich reden wir dann eben vom über-zeugen.
  • Jesus eröffnet die österliche Wirklichkeit, und macht seine Jünger zu Zeugen dafür, weil sie Ihn gesehen haben, wissen, dass Er lebt und dem Tod der Stachel genommen ist. Für die Jünger ist das keine Ideologie, kein Glaubenssystem mehr, sondern einfach: Die erfahrbare Wahrheit, die sich durch ihr Zeugnis auch anderen erschließen kann. Es geht dabei im Zeugnis nicht zuerst darum, etwas über Jesus zu erzählen, sondern durch das je eigene Leben anderen die Möglichkeit zu eröffnen, selber auch die Erfahrung zu machen: „Es ist wahr“. Sie zeugen Nachkommen im Glauben durch ihren überzeugenden Lebensstil, durch ihr Eintreten für die Sache Jesu in Wort und Tat (s. Apg)
  • So gilt der Anruf Jesu auch uns heute: Ihr seid Zeugen dafür. Wir tun uns noch schwer damit, denn die meisten von uns sind in einer Zeit aufgewachsen, wo „eh alle katholisch“ waren und Zeugenschaft nicht gefragt war. Heute wird man vielleicht noch getauft, aber dann nicht mehr automatisch durch Familie oder Gesellschaft christlich sozialisiert. Wenn wir Nachkommen im Glauben haben wollen, dann müssen wir Zeugen des Auferstandenen sein, sonst wird die Pfarrgemeinde aussterben…

Wie können wir Zeugen der Auferstehung sein?

  • Den meisten von uns wird sich Jesus nicht so direkt wie den Jüngern oder Paulus gezeigt haben – das Evangelium zeigt uns aber den Weg, wie wir mehr Jünger/in Jesu werden können, von ihm lernen können, um immer mehr seine Zeugen zu werden. Das Evangelium sagt uns, wie Jesus uns heute die Augen eröffnen kann:
  • A) „… erzählten, was sie unterwegs erlebt“: Es fängt damit an, dass wir miteinander das Leben teilen und lernen, unsere Ereignisse zu deuten. Einander können wir erhellen, wie unsere Biographie „Heilsgeschichte“ ist, in der Gott wirkt
  • B) „.. während sie darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte“: Es ist die beglückende Erfahrung von Jesus in der Mitte in einer Gemeinschaft, die geistlich ihn sucht, einlädt und die einander wirklich in Liebe und „Frieden“ verbunden ist.
  • C) „… für das Verständnis der Schrift“: Ich wiederhole immer wieder: Der Auferstandene begegnet uns „hinter“ den Buchstaben der Schrift, wo wir im Netzwerk der Schriftstellen Ihn entdecken, Gott, der zu uns spricht und uns ganz neu die Augen öffnet für die Realität von Ostern
  • D) „… sollen umkehren“: Ohne ständige Neuausrichtung und Änderung unseres Lebens, uns vom Glauben herausfordern zu lassen, werden wir nicht Zeugen der Auferstehung sein! – Wo Kirche „Kontrastgesellschaft“ ist, wo etwas positiv „anders“ ist, dort bezeugen wir die Auferstehung!
  • Zum Weiterdenken: Wo und wie können wir als Gemeinschaft / ich als Christ mehr Zeuge der AU sein?