Worauf es ankommt: Jünger/Jügerin Jesu zu werden

  • Am Freitag, 1. Juni, war auch bei uns die „Lange Nacht der Kirchen“, bei uns durch ökumenisches Team liebevoll vorbereitet, mit einem sehr interessanten Nachtgottesdienst in der evang. Kirche, der durch die Jugendgruppe der evangelikalen Gemeinde gestaltet wurde. Es ging dabei um die Masken die wir tragen, auch im Glauben. Hr. Wunderli sprach in seiner Predigt ganz richtig davon, dass es nicht so sehr auf die „Etikette“, die Maske ankommt, also ob jemand sich als kath., evang. oder freikirchlicher Christ engagiert und brav lebt – sondern darauf, was hinter der Maske ist, ob jemand „neu geboren ist“ (er bezog sich dabei das Gespräch Jesu mit Nikodemus, nachzulesen in Joh 3)
  • Im Grunde genommen sagt Jesus uns heute das selbe, nur mit anderen Worten: „Macht alle zu meinen Jüngern… und tauft sie … lehrt sie alles zu befolgen“ – es kommt also zunächst darauf an, Jünger/In Jesu zu werden. Getauft sein, brav in die Kirche kommen und die Gebote halten, all das ist gut, kann aber nur äußere Konvention sein, ohne tieferen Glauben – dann nutzt das alles wenig.
  • Oder wie Paulus es formuliert: Es kommt darauf an, dass wir uns vom Geist Gottes leiten lassen, der uns zu „Söhnen“ macht, d.h. in eine lebendige, innige Gottesbeziehung hineinholt – durch eine Schicksalsgemeinschaft mit Jesus.

Menschen zu Jünger Jesu machen

  • Der Auftrag das Auferstandenen an seine Jünger ist klar: Erster Schritt und vordringliche Aufgabe ist es, Menschen zu Jünger Jesu zu machen, zweite Priorität ist dann die Taufe und danach die Einübung ins alltägliche Leben: Menschen zu lehren, wie sie im Geist Jesu leben können und sollen. Die junge Kirche ist diesem Weg gefolgt, aber mit der Zeit hat sich dann die Gewichtung Richtung Taufe verschoben und für die meisten heute Richtung „Moral“ – was am Ende in der Ansicht der meisten überbleibt: Die Kirche, die mit erhobenen Zeigefinger dasteht und moralische Regeln einfordert, die aber für jemand, der nicht an Jesus glaubt, nicht lebbar erscheinen.
  • Klar: Heute werden die meisten als Babys getauft und nicht erst, nachdem sie Christen geworden sind. Das Christwerden folgt dann durch Erziehung in der Familie, Religionsunterricht, Gemeindekatechese danach – nur funktioniert das heute meist nicht mehr, trotz unseres Bemühens. Wie Papst Benedikt formuliert:  In Europa sind die meisten Getauften zwar Katholiken (oder evangelisch etc), aber nie Christen geworden, innerlich überzeugte Jünger/Innen Jesu!
  • Das hat unser Bischof sehr gut erkannt und uns im Hirtenbrief letzten Jahres das als Priorität genannt: Es gilt, Menschen zu JüngerInnen Jesu zu machen-  dafür müssen wir das aber selber erst vertiefen: In die Glaubens/Lebensschule Jesu gehen.
  • Ich denke, dass wir Pfarrgemeinde immer mehr als Ort, wo wir das gemeinsam einüben, sehen sollten: Wir alle sind unterwegs dazu, Jünger Jesu zu werden. Wir müssen uns neu überlegen, wie Erwachsene Menschen bei uns Christen werden können, und wie wir Kindern und Eltern dies eröffnen, die im Rahmen der EK / Firmung zu uns kommen.
  • Eine Möglichkeit ist das Angebot der „Jünger – Schulung“ mit dem Titel „Wo 2 oder drei..“, die Freunde und ich gemeinsam im Geist der Fokolarspiritualität entwickelt haben (siehe dazu Einladungsfolder, die aufliegen oder auf der Homepage: Jüngerschafts - Schulung)

Sich vom Geist Gottes im Alltag leiten lassen

  • Das Wort Gottes zeigt uns aber heute auch Wege, wie wir das im Alltag einüben können – jeder für sich und gemeinsam:
  • A) Die Lesung aus Dtn 4 ermutigt uns, „in früheren Zeiten nachzuforschen“: Gottes Gegenwart zeigt sich in der Geschichte. Ich denke, das gilt sowohl individuell als auch im Großen: In der Tagesrückschau, im Nachdenken über mein Leben entdecke ich, wie der dreieine Gott in meinem Leben erfahrbar wurde, wie er mich durch Seinen Geist lenkte… Aber auch im Großen erkennen wir, dass Jesus bei den Seinen ist (das Überleben und die Lebendigkeit der Kirche trotz dem vielem Negativen auch innerhalb der Kirche im Laufe der 2000 Jahre ist der größte Beweis des Geistes des Auferstandenen in der Kirche; aber auch die vielen Heiligen, das Gute in der Entwicklung der Gesellschaft, das Einheitsstreben der Menschen usw.)
  • B) Sich vom Geist leiten lassen: Wie geht das, frage ich mich und habe ein gute und praktische Antwort im Buch „christliche Kontemplation“ von Thomas Merton gefunden: Sich vom Geist leiten lassen heißt, „dass unsere Hauptsorge nicht sein soll, Vergnügen oder Erfolg zu finden, Gesundheit oder Leben oder Geld oder Ruhe… vielmehr sollte in allem, was geschieht, mein Wunsch und Freude das Wissen sein: Hier ist das, was Gott für mich gewollt hat. Hierhin finde ich seine Liebe…“ Und er fährt fort: „Seinem Willen zustimmen heißt, Wahrhaftigkeit zu suchen, seinem Willen zu entsprechen, wie er sich in den Bedürfnissen der Menschen, die mir begegnen, zum Ausdruck kommt und auch, wo ich meine Arbeit sorgfältig und mit angemessenen Aufmerksamkeit erfülle. Manchmal zeigt er sich, indem ich aus dem Unvermeidlichen das Beste mache“
  • Das ist wirklich ein alltagstaugliches spirituelles Programm, das jeder von uns machen kann, um mehr Jünger/Jüngerin Jesu, Kind des Vaters, Geistträger zu werden!